CAROLINA BONFERT
Meine Bachelorarbeit
Meine Bachelorarbeit zum Thema Qualzucht bei Hunden ist für mich ein absolutes Herzensprojekt. Als Designerin möchte ich nicht nur ästhetisch ansprechende Arbeiten gestalten, sondern auch etwas bewegen. Diese Kampagne verbindet meine gestalterischen Fähigkeiten mit meinem Wunsch, auf wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen.
Der kreative Prozess hat mir gezeigt, wie Design dazu beitragen kann, komplexe und oft übersehene Probleme auf eine neue Art zu vermitteln. Die positiven Rückmeldungen zur Kampagne bestärken mich darin, dass Kommunikationsdesign ein wirkungsvolles Werkzeug für positive Veränderungen sein kann.
Deshalb möchte hier auf dieses Projekt etwas genauer eingehen.

Eine satirische Aufklärungskampagne über die Problematik der Qualzucht bei Hunden.
Kurzbeschreibung:
Die zunehmende Beliebtheit von Hunden mit extremen Zuchtmerkmalen führt zu einer Verschärfung ihrer ohnehin schon akuten gesundheitlichen Probleme. Paradoxerweise werden diese Qualzuchten in der Gesellschaft trotz der bekannten Risiken oft als begehrte Statussymbole und Mode-Accessoires wahrgenommen. Ziel von artgerächt ist es, das Statusdenken in Bezug auf Hunde abzubauen, das Bewusstsein für die Problematik von Qualzuchten zu schärfen und damit die gesellschaftliche Akzeptanz von Qualzuchten zu stoppen.
Strategie:
artgerächt nutzt die Adaption von Luxusmarketingstrategien, um eine Zielgruppe anzusprechen, die stark von Statusdenken und Lifestyle-Trends geprägt ist. Die Arbeit analysiert, wie Elemente wie Exklusivität, hochwertige Ästhetik und das Versprechen von Prestige genutzt und satirisch umgedeutet werden können, um die ethische Problematik der Qualzucht für die Zielgruppe ansprechend zu kommunizieren. Durch die Entwicklung eines vermeintlich exklusiven Printkatalogs und eines Online-Konfigurators wird die Zielgruppe in ihrer gewohnten Konsumwelt abgeholt, nahtlos auf die aufklärende Website geleitet und dort für die Thematik sensibilisiert. artgerächt zeigt, wie komplexe ethische Themen durch unkonventionelle satirische Mittel effektiv kommuniziert werden können.
artgerächt

Designelemente & visuelle Identität
Die visuelle Gestaltung der Kampagne spielt bewusst mit zwei kontrastierenden Phasen. In der Täuschungsphase orientiert sich das Design an der Ästhetik der High-Fashion-Welt: Ein monochromes Farbkonzept in edlen Orange-, Beige- und Schwarztönen vermittelt Exklusivität und Luxus. Die gewählte Typografie kombiniert eine elegante Serif-Schrift für Headlines mit einer klaren Sans-Serif für Fließtexte, was dem klassischen Erscheinungsbild von Modemagazinen entspricht. Die Bildsprache zeigt zunächst Qualzuchthunde in überhöhter, glamouröser Inszenierung, ähnlich wie Luxusprodukte in High-End-Kampagnen.
In der Aufklärungsphase erfolgt ein gezielter Bruch dieser Ästhetik. Die Farbwelt wird mit einem ernsteren, medizinischen Blau ergänzt. Auch die visuelle Transformation des Logos bzw. Titels von artgerecht zu artgerächt visualisiert diesen Wandel und enthüllt den satirischen Charakter der Kampagne. Die Bildsprache wechselt von einer glamourösen Inszenierung zu einer sachlichen Darstellung der gesundheitlichen Folgen der Qualzucht, unterstützt durch ungeschönte Wahrheiten und Fakten.
Medien & Umsetzung
Die Kampagne entfaltet sich über verschiedene Medienkanäle, die jeweils die zwei Phasen durchlaufen. Das Katalog-Design präsentiert sich zunächst als exklusives Lookbook im Stil von Haute-Couture-Magazinen, mit großzügigem Weißraum, dramatischen Bildinszenierungen und minimalistischer Typografie. Der Social-Media-Content spiegelt anfangs die Bildsprache von Luxusmarken wider, mit kurzen, prägnanten Statements und hochwertiger Bildästhetik.
Der Online-Konfigurator fungiert als Schlüsselelement zwischen den Phasen: Während des "Design"-Prozesses erscheint er zunächst als spielerisches Tool zur Erstellung des "perfekten" Hundes. Nach einer inszenierten Fehlermeldung, die darauf hinweist, dass ein Fehler in der Mensch-Tier-Beziehung erkannt wurde und deshalb eine Konfiguration nicht möglich sei, wird die Aufklärungsphase auf einer nachfolgenden Landingpage eingeleitet.
Die gesamte Umsetzung zielt darauf ab, zunächst die Zielgruppe in ihrer gewohnten visuellen Umgebung abzuholen, um dann durch den bewussten Bruch mit dieser Ästhetik eine starke emotionale und educative Wirkung zu erzielen. Der Übergang von der Täuschungs- zur Aufklärungsphase ist unerwartet, aber erfolgt subtil und gezielt, um die Botschaft effektiv zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen.
